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Stand: 20.04.2017

Pressemitteilung

Angebote geben auch Tagesstruktur

Kleiderkammer im Bonifatiushaus

In den Regalen stapeln sich T-Shirts, Hosen und Schuhe, an den Kleiderständern hängen Röcke, Blusen und Hemden. Auf den ersten Blick scheint die Auswahl in der Kleiderkammer groß zu sein, doch wenn einmal pro Woche bis zu 60 Flüchtlinge vorbeikommen, um sich mit neuer Kleidung einzudecken, sind die Kapazitäten schnell erschöpft. Die Kleiderkammer mit integrierter Nähstube und einer Teestube, die einmal pro Woche ihre Pforten öffnet, sind Angebote des Caritasverbands Karlsruhe und der Seelsorgeeinheit Allerheiligen. „Die Räume für diese Angebote stellt uns die Gemeinde St. Bonifatius zur Verfügung“, erklärt Hans-Gerd Köhler, Vorsitzender des Caritasverbands. Neben Caritas-Mitarbeitern engagieren sich auch viele Ehrenamtliche aus der Seelsorgeeinheit in diesen Einrichtungen. „Im Gemeindehaus ist auf diese Art ein richtiges Stadtteilzentrum für die Flüchtlingsarbeit entstanden“, so Köhler.

Dabei hat sich die Flüchtlingsarbeit in letzter Zeit ziemlich gewandelt, erklärt Beate Deckwart-Boller, Einrichtungsleiterin der Verfahrens- und Sozialberatung für Flüchtlinge (VSB), einer Einrichtung, die vom Caritasverband und dem Diakonischen Werk getragen wird. „In Spitzenzeiten waren bis zu 8 000 Flüchtlinge in der Stadt, heute sind es rund 1 200“, berichtet sie. Dadurch habe sich natürlich der Beratungsbedarf verringert. Das Regierungspräsidium hatte 2015 Geld zur Verfügung gestellt, um die Zahl der Berater von fünf auf 50 aufzustocken. Diese hohe Zahl an Mitarbeitern werde heute nicht mehr benötigt. Aktuell sind zwölf Vollzeitstellen besetzt. „Verändert hat sich auch unser Klientel“, so Deckwart-Boller. Kamen vor zwei Jahren noch viele Flüchtlinge aus Syrien, so sind heute hauptsächlich Menschen vom Balkan hier in Karlsruhe. „Diese Menschen haben kaum eine Bleibeperspektive“, sagt sie. Die Anerkennungsquote liege bei unter einem Prozent. „Wir beraten sie im Asylverfahren, stellen Angebote vor und klären Perspektiven ab“, zählt sie auf. Das Augenmerk liegt dabei vor allem auf den besonders Schutzbedürftigen, das heißt auf Kinder, Kranke oder Schwangere. Die Fragen die gestellt werden, sind immer wieder dieselben: Darf ich arbeiten? Bekomme ich einen Integrationskurs? Werde ich abgeschoben? Soll ich freiwillig gehen? „Die Menschen sind frustriert, weil die Chancen sehr gering sind“, sagt die Einrichtungsleiterin und fügt hinzu, dass es vom Antrag bis zur Entscheidung im Durchschnitt vier Wochen dauert. „In Einzelfällen können aber auch sechs Monate vergehen.“ Daher sei es wichtig, den Menschen eine Tagesstruktur anzubieten, vor allem auch den Kindern.

Hilfe leistet in diesem Zusammenhang das Projekt „Nah am Menschen von weit weg“, das es seit Januar 2016 in der gesamten Diözese gibt und das ein Kooperationsprojekt von Caritas und katholischer Kirche ist. „Wir sind Ansprechpartner für Ehrenamtliche, die Flüchtlinge unterstützen wollen“, erklärt Projektkoordinatorin Nathalie Ziegelmeier. „In erster Linie geht es darum, Kontakt zu den Flüchtlingen herzustellen, ihre Kultur kennenzulernen, aber auch darum, die deutsche Kultur zu vermitteln“, sagt sie. So wurde zum Beispiel ein integratives Kunstprojekt organisiert. In Zusammenarbeit mit einer Kunstpädagogin wurden Sitzkissen mit traditionellen Mustern und Lieblingsgerichten aus aller Welt gefilzt. „Beim Filzen steht nicht die Sprache im Mittelpunkt, aber man kommt dennoch ins Gespräch“, meint Ziegelmeier. Am 1. Juni fängt ein neues Kunstprojekt an, bei dem sich Flüchtlinge und Ehrenamtliche insgesamt zwölfmal treffen und gemeinsam filzen. Am 23. Juni startet das Projekt „Familien für Familien“, aus dessen Workshops ein Patenprojekt entstehen soll. „Ziel ist es, dass deutsche Familien sich mit Flüchtlingsfamilien treffen, vielleicht auch mal gemeinsam in den Zoo gehen“, so Ziegelmeier.

Eine Tagesstruktur bieten aber auch die zu Beginn beschriebenen Einrichtungen: „Wenn die Menschen unsere Kleiderkammer besuchen, nutzen sie gleichzeitig die Teestube, um sich auszutauschen“, sagt Ehrenamtskoordinatorin Lilian Barthelmeß. Beliebt sei auch die Nähstube, da sie die Möglichkeit biete, neue Kleidung oder Taschen zu fertigen, oder aber kaputte Kleidungsstücke auszubessern. Die Nähmaschinen wurden gespendet, ebenso wie Stoffe, Nähgarn oder Schnittbögen.

Martina Erhard, BNN

 

Spenden erbeten

Kleiderstapel

Wer Schuhe oder Kleidung - besonders gefragt ist Männerkleidung - spenden möchte, wird gebeten, sich mit Lilian Barthelmeß, Telefon 0151 18 84 67 18 in Verbindung zu setzen.

Interessenten für das Projekt "Nah am Menschen von weit weg" bekommen Informationen von Nathalie Ziegelmeier, Telefon (0721) 9 12 3-36.

Auch ehrenamtliche Mitarbeiter werden noch gebraucht! Bitte melden Sie sich!

 

 

 

 

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