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Stand: 20.04.2017

Pressemitteilung

Beiertheimer Tafel: "Wenn sich nichts ändert, haben wir ein richtiges Problem"

Interview von ka-news hat mit Hans-Gerd Köhler, 1. Vorstand des Caritasverbandes Karlsruhe, und Ralph Beck,  Marktleiter der Beiertheimer Tafel, über ihre Initiative und Forderungen an die Politik

Menschen, die von Armut betroffen sind, können sich oft nicht mehr genug Lebensmittel oder Kleidung leisten. Sie müssen daher aufgefangen werden und dabei kommt den Projekten der Deutschen Tafel eine wichtige Rolle zu. Welche Bedeutung hat Ihrer Meinung nach die gemeinnützige Organisation Deutsche Tafel für unsere Gesellschaft?

Beiertheimer Tafel - ein außergewöhnlicher SupermarktRalph Beck, Marktleiter Beiertheimer Tafel, und Hans-Gerd Köhler, 1. Vorstand des Caritasverbandes Karlsruhe e.V. Foto: Felix Haberkorn, ka-news Felix Haberkorn, ka-news

Köhler: Für unsere Gesellschaft ist das eine wichtige Einrichtung. Es gibt zwei große sich entgegensetzende Meinungen. Die erste, wir haben ja inzwischen 932 Tafeln in Deutschland, und diese unterstützen das Sozialsystem, damit der Staat gar nicht so viel ausgeben muss. Das ist eine Meinung auf sehr hohem Niveau.

Die zweite Meinung, die auch ich vertrete, wir haben es hier mit Menschen zu tun, denen es wirklich nicht gut geht. Die können sich hier beim Einkaufen Geld sparen, was sie an anderer Ecke übrig haben. Das Geld, was man als Arbeitslosengeld bekommt, reicht vorne und hinten nicht. Die Tafeln stützen nicht unser Sozialsystem, sondern sie unterstützten Menschen in prekären Lebenssituationen. Ohne Tafeln würde unser Sozialsystem ziemlich schlecht dastehen.

Worin liegt die Herausforderung, wenn man sich in einer Tafel engagiert? Was muss man mitbringen?

Köhler: Man muss die Bereitschaft mitbringen, sich mit dem Kunden in Verbindung zu setzen. Ich muss Verständnis und Einfühlungsvermögen für die Menschen haben. Es gibt aber keine Grundbedingung. Wer nur ein oder zwei Stunden die Woche helfen kann, das ist in Ordnung. Jeder, der sich ehrenamtlich engagieren möchte, ist wichtig.

Beck: Wer helfen will, kann sich einfach bei uns in der Tafel melden. Man muss einfach Engagement zeigen, anderen zu helfen. Bei uns sind die Hauptbereiche, wo wir uns über Hilfe freuen, der Laden, wo die Lebensmittel verkauft werden, sowie das Lager, also Warenaufbereitung und Warensortierung.
An welche Menschen richtet sich Ihre Tafel? Welchen Voraussetzungen müssen gegeben sein?

Beck: Unser Angebot richtet sich vor allem an Geringverdiener, also Arbeitslose oder Rentner mit geringem Einkommen. Der Kunde muss einen Nachweis erbringen, dass er hier bedürftig ist. Das heißt, er kommt mit seinem Arbeitslosen- oder Hartz IV-Bescheid, oder Rentenbescheid.

Der Kunde bekommt anschließend einen Ausweis mit Lichtbild und in dem wird auch vermerkt, wie viele im Haushalt lebende Mitglieder sind in der Familie. In der Regel ist der Ausweis für ein Jahr gültig. Der Nachweis muss generell erbracht werden, weil wir leider auch immer wieder schwarze Schafe dabei haben.

Haben Sie den Eindruck, dass die Zahl der Betroffenen steigt?

Köhler: Ja, ganz einfach. Die Schere geht weiter auseinander. Ich mache mir vor allem Sorgen um den Wohnungsmarkt. Wir haben hier in Karlsruhe teils sehr hohe Mieten. Der Wohnraum ist knapp geworden. Mieten werden teurer. Das wird sich noch weiter verschärfen.

Was würden Sie den Menschen da draußen, gern auch den Politikern, in wenigen Sätzen mit auf dem Weg geben?

Köhler: Ich wünschte mir, dass die Solidarität, die die Menschen hier erfahren, sich auch auswirkt auf ihr Umfeld. Ich wünsche mir da noch mehr gegenseitige Unterstützung. Da gibt es noch zu viele Kämpfe untereinander.

Beck: Man soll die Armut mehr eindämmen, insbesondere die Altersarmut. Wenn sich da nichts ändert, haben wir ein richtiges Problem. Da ist einfach die Politik gefordert und nicht die Sozialverbände. Leider dienen die Sozialverbände hier oft als Lückenbüßer der Politik.
Felix Haberkorn, ka-news

 

Hintergrund

Wer die Beiertheimer Tafel finanziell unterstützen möchte, kann sich an folgendes Spendenkonto wenden:

Caritasverband Karlsruhe e.V.
Bank für Sozialwirtschaft
BLZ 660 205 00
Konto 17 417 00 (Stichwort "Beiertheimer Tafel")
IBAN: DE17 6602 0500 0001 7417 00
BIC: BFSWDE33KRL


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