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Stand: 08.06.2018

Pressemitteilung

Kunden und keine Almosenempfänger

Die Tafeln in Deutschland sind derzeit in aller Munde: Grund dafür ist die Entscheidung der Essener Tafel, bis auf Weiteres keine Flüchtlinge mehr als Neukunden aufzunehmen. "Ein ungewöhnlicher Schritt, den wir sehr bedauern." So kommentiert Hans-Gerd Köhler, Vorsitzender des Caritasverbands Karlsruhe, dieses Vorgehen. "Man hätte da sicher eine andere Lösung finden können", meint er, gibt aber auch zu, dass er die Situation nur aus der Ferne bewerten könne. In der Beiertheimer Tafel, einer Einrichtung des Caritasverbands, habe man bisher noch keine schlechten Erfahrungen mit ausländischen Kunden gemacht, sagt er. Allerdings sei die Lage in Karlsruhe, wo es zurzeit nur wenige Flüchtlinge gebe, auch eine andere.

Kühlwagen vor Tafel

Ronny Strobel, er fungiert zusammen mit Ralph Beck als Marktleiter in der Beier-heimer Tafel, weist darauf hin, dass man vor rund zwei Jahren das Verteilungssystem verändert habe: "Wir haben täglich von 12 bis 14 Uhr und von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Früher bildeten sich schon immer eine Stunde vor Öffnung des Ladens lange Schlangen, weil jeder möglichst früh drankommen wollte", sagt er. Nun werden einige Minuten vor Ladenöffnung die Kundenkarten eingesammelt und die Reihenfolge ausgelost. "Das ist für jeden fair, und jeder hat die gleiche Chance, mal gleich zu Beginn seinen Einkauf zu machen", meint Strobel. "Das klappt wunderbar, und wir haben immer gute Stimmung im Laden", versichert er. Man habe aber genügend Ware, um denjenigen, der kurz vor Ladenschluss einkaufen, noch eine Auswahlmöglichkeit zu bieten, fügt Köhler hinzu.
Die Beiertheimer Tafel hat etwa 1 900 Kundenkarten ausgegeben und versorgt rund 3 000 Menschen mit Nahrungsmitteln. Täglich kommen circa 300 Kunden in den Laden. "Im Moment haben wir pro Woche etwa 13 Neuanmeldungen", berichtet Strobel, in den vergangenen Jahren waren es immer acht bis neun pro Woche. Man könne also erkennen, dass der Bedarf zunehme, sagt er. Auffallend sei, dass es immer mehr Rentner gebe, die Hilfe von der Tafel benötigten. "Die Altersarmut nimmt zu. Man erlebt, dass den Rentnern am Ende des Monats oft die paar Cents für den Einkauf in der Tafel fehlen", erzählt er. In solchen Fällen verzichte man auch schon mal auf das Geld, so Strobel.
Ansonsten legt man bei der Beiertheimer Tafel Wert darauf, "ein richtiger Laden" zu sein, wie Köhler versichert. "Die Menschen kaufen hier ein, suchen sich ihre Waren aus und zahlen einen symbolischen Preis", erklärt er. "Sie sind Kunden, keine Almosenempfänger", so Köhler. "Die drei Tafeln in Karlsruhe tragen dazu bei, dass die Ge-sundheit der Menschen verbessert wird", ist Köhler überzeugt. "Auch Menschen, die wenig Geld haben, können sich ausgewogen und gesund ernähren."
Bei all den vielen Kunden, die täglich in den Tafelladen kommen, stellt sich natürlich die Frage, wo die Waren herkommen: "Mit unseren drei Spezialfahrzeugen fahren wir täglich 60 bis 70 Lieferanten an", erzählt Strobel. "Wenn das Warenangebot so bleibt, wie es jetzt ist, haben wir keine Probleme, unsere Kunden zu versorgen", versichert der Marktleiter. Lediglich bei den Molkerei und Hygieneartikeln und bei den Babyprodukten gebe es oftmals Engpässe, berichtet er.

Martina Erhard, BNN

Wer die Beiertheimer Tafel finanziell unterstützen möchte, kann sich an folgendes Spendenkonto wenden:

Caritasverband Karlsruhe e.V.
Bank für Sozialwirtschaft
BLZ 660 205 00
Konto 17 417 00 (Stichwort "Beiertheimer Tafel")
IBAN: DE17 6602 0500 0001 7417 00
BIC: BFSWDE33KRL

oder online (Verwendungszweck "Beiertheimer Tafel")

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