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Stand: 08.06.2018

Pressemitteilung

Ohne Eltern in der Fremde

FamilienzusammenführungPressegespräch zum Thema Familienzusammenführung im Beratungszentrum Caritashaus

Im Zusammenhang mit Flüchtlingen wird das Thema Familienzusammenführung nicht nur in der Politik kontrovers diskutiert. Um über die Problematik zu informieren, hat die Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg - ihr gehören unter anderem Car-tas und Diakonie an - die alljährliche Aktionswoche in diesem Jahr unter die Überschrift "Recht auf Familie - Familie braucht Familien-zusammenführung" gestellt. Die Wohlfahrtsverbände fordern damit eine humane Regelung des Familienachzuges.

Lena Böhme, Referentin für Migration und Integration beim Caritasverband für die Erzdiözese Freiburg, weist darauf hin, dass vor allem Menschen mit einem subsidiären Schutzstatus darunter leiden, dass sie ihre Farnihenmitglieder nicht nachholen könnten. Hiervon seien auch immer mehr Syrer betroffen, so Böhme. "Es wird noch Jahre dauern, bis sie in ihr Land zurückkehren können, aber ihnen wird das Recht auf Familiennachzug verwehrt", kritisiert sie. Natürlich gebe es Probleme für die Kommunen, die Kitaplätze und Wohnraum bereitstellen müssten, aber Humanität muss Vorrang haben."

So sieht das auch Petra Mols, Fachberaterin Familienzusammenführung beim Caritasverband Karlsruhe: "Gerade für Minderjährige ist es sehr schwer, hier ohne ihre Eltern und Geschwister leben zu müssen", sagt sie. So lebte zum Beispiel ein heute 15-jähriger Iraker fast zwei Jahre bei seinem Onkel in Karlsruhe, ehe es ermöglicht wurde, dass seine Eltern und Geschwister nachkommen. "Es war eine schwierige Zeit. Ich hatte Angst um meine Familie", erzählt der Junge. Ich freue mich so sehr, dass wir jetzt wieder zusammen sind", meint der Vater. Zwei andere Jungen, ein 13-Jähriger und sein 16-jähriger Bruder, sie kommen aus Syrien, warten noch darauf, dass die Mutter und die beiden Schwestern endlich von Damaskus nach Deutschland kommen dürfen. "Ich denke viel an meine Mutter", erzählt der 13-Jährige, und sein Bruder fügt hinzu, dass die Mutter oft weine, wenn man miteinander telefoniere. "Es ist schwer, wir haben uns seit zwei Jahren nicht mehr gesehen." Die beiden haben aber schon Pläne gemacht für die Zeit, wenn Mutter und Schwetern da sind: "Wir wollen zusammen Ausflüge machen und ihnen alles hier zeigen", erzählen sie.

"Es ist wichtig, dass Familien zusammen sind und dass sie ein normales Alltagsleben erfahren können", so das Resümee von Claus-Dieter Luck, Leiter des Beratungszentrums Caritashaus. "Nur so kann Integration gelingen."

Martina Erhard, BNN


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