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Stand: 08.06.2018

Pressemitteilung

Standards für Flüchtlingsschutz

Durlacher Allee 100

Menschen verschiedener Nationen, die ihre Heimat verlassen mussten, Angst um Angehörige haben und auf engem Raum leben - das begünstigt Konflikte. Um Gewalt in Flüchtlingsunterkünften vorzubeugen, haben das Bundesfamilienministerium und das Kinderhilfswerk Unicef Standards zum Schutz von Flüchtlingen entwickelt. Mit Partnern vor Ort soll bis Jahresende ein Gewaltschutzkonzept entstehen, mit Fokus auf besonders schutzbedürftigen Menschen, etwa Frauen und Kindern. Die Verfahrens- und Sozialberatung (VSB) für Flüchtlinge in Karlsruhe, getragen von Caritas und Diakonie, hat den Zuschlag für die Erarbeitung erhalten. Das Konzept soll auf andere Einrichtungen übertragen werden.

Rahel Köpf ist Gewaltschutzkoordinatorin in der rund 30 Jahre alten Landeserstaufnahmestelle (LEA) und VSB-Mitarbeiterin. Seit Juli 2017 arbeitet sie in der LEA in der Durlacher Allee 100 am Gewaltschutzkonzept. Zum Unicef-Standard gehören Wachschutz rund um die Uhr, mehrsprachiges Personal, medizinischer Dienst und hell ausgeleuchtetes Gelände. "Moniert wurde, dass Bewohnerzimmer und zum Teil auch die Sanitärräume nicht abschließbar sind", berichtet Köpf. Wichtig seien auch Rückzugsräume für Frauen und Kinder. Dies sei in den Sanierungsplan für die LEA eingeflossen, so die Koordinatorin.

Vorbeugend wird auch ein Verhaltenskodex erarbeitet - Regeln, die für alle gelten, Einrichtungsleitung, Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes, Ehrenamtliche. Der Kodex schützt zudem die Privatsphäre der LEA-Bewohner. Ablauf- und Notfallpläne tragen dazu bei, auf Gewalt oder im Verdachtsfall angemessen zu reagieren. "Wir können schon Fortschritte erkennen", versichert Köpf. "Der Austausch untereinander wird besser, wir stellen eine Sensibilisierung fest, auch die Kommunikation mit den Bewohnern wird einfacher."

Großen Anteil am Erfolg habe auch der Bewohnerbeirat, gegründet mit dem Freundeskreis Asyl. "Die Bewohner können Anliegen vorbringen und werden gehört", erklärt Köpf. "Das ist eine Erfahrung, die viele aus ihren Heimatländern nicht kennen", sagt VSB-Leiterin Beate Deckwart-Boller. "Solche präventiven Ansätze sind zu begrüßen", betont Anita Beneta, Leiterin der Stabsstelle Migration bei der Diakonie. Sie wünsche sich auch von Seiten der Flüchtlinge mehr Sensibilisierung für das Problem. Alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen und gemeinsam einen Weg zu finden, um Gewalt und Unterdrückung zu verhindern, das ist das Ziel, sagt Hans-Gerd Köhler, Vorsitzender der Caritas Karlsruhe.

Martina Erhard, BNN

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