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Stand: 08.06.2018

Pressemitteilung

"Wir brauchen Zeit zum Durchschnaufen"

Es ist schwer, Angehörige zu Hause zu pflegen: Rund um die Uhr muss jemand da sein, der sich um den kranken und pflegebedürftigen Menschen kümmert. Aber auch pflegende Angehörige brauchen ihre Auszeiten, um Kraft tanken zu können. In solchen Fällen kann ein sogenannter Kurzzeitpflegeplatz helfen, Plätze also, die nur vorübergehend in Pflegeeinrichtungen gebucht werden können. "Es gibt einen großen Bedarf an solchen Plätzen. Bei uns gehen täglich neue Anfragen ein", sagt Agata Ziolko. Sie ist Pflegedienstleiterin im Seniorenzentrum St. Franziskus. Ihr Haus bietet zwei entsprechende Plätze an. "Wir haben inzwischen viele Stammgäste, die ihr Zimmer bereits ein Jahr im Voraus buchen", erklärt sie.

Die Gäste, die eines der beiden Zimmer kurzzeitig bewohnen, we¬den während ihres Aufenthalts in die Hausgemeinschaft integriert, wenn sie dies wollen. "Sie dürfen alle unsere Angebote nutzen und können zum Beispiel an den Gymnastik- und Singstunden oder an den Bingo-Veranstaltungen teilnehmen", sagt Ziolko. Die Zimmer haben eher Hotel¬charakter und sind vollständig ausgestattet: Ein Fernseher, ein Ruhesessel, Bettwäsche und Handtücher gehören natürlich zur Ausstattung. "Der Gast muss nur seine persönlichen Dinge mitnehmen", meinte die Pflegedienstleiterin.

Zu den Stammgästen gehört auch der 86-jährige Willi Lessle. "Mein Vater ist seit einem Schlaganfall vor vier Jahren pflegebedürftig", erzählt Mathias Lessle. "Er wird zu Hause gepflegt, aber meine Frau und ich brauchen auch mal Zeit zum Durchschnaufen", meint er. "Ein Urlaub wäre ohne eine solche Einrichtung nicht möglich." Aus diesem Grund ist Willi Lessle zweimal pro Jahr im Seniorenzentrum St. Franziskus. "Diese Kurzzeitpflegeplätze sind extrem sinnvoll, und wir sind wirklich darauf angewiesen", versichert Mathias Lessle.Er würde sich wünschen, dass es mehr solcher Plätze gibt, denn es sei schwer, bei einem Notfall einen Kurzzeitpflegeplatz zu bekommen. "Als wir das erste Mal anfragten, bekamen wir vom Sozialen Dienst eine Liste mit etwa 20 Adressen. Leider gab es fast nur Absagen", berichtet er und ist froh, den Platz in St. Franziskus gefunden zu haben. "Man kümmert sich hier gut um meinen Vater, er kennt inzwischen das Umfeld und kommt unter die Leute", zählt Mathias Lessle die Vorteile auf. "Wir müssen natürlich unseren Urlaub immer sehr früh abstimmen, da wir den Platz weit im Voraus buchen müssen."

Dieses Problem kennt Agata Ziolko: "Wir haben selten einen Platz für Spontananfragen, für Fälle etwa, in denen ein pflegender Angehöriger selber plötzlich krank wird", sagt sie. "Wünschenswert wäre eine gesetzliche Vorschrift, die die Träger von Pflegeeinrichtungen dazu verpflichtet, Kurzzeitpflegeplätze einzurichten", erklärt Ziolko und fügt hinzu, dass es natürlich ein großer Aufwand sei, solche Plätze anzubieten, denn "der permanente Wechsel der Bewohner ist für das Personal mit großer Anstrengung verbunden".

Martina Erhard, BNN

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